Was kostet ein Krankheitstag im Handwerk?
Im Handwerk waren 2025 an jedem Tag gut sieben von 100 Beschäftigten krankgeschrieben. Das ergab eine Auswertung der AOK Rheinland/Hamburg für rund 300.000 Versicherte. Am höchsten lag der Krankenstand im Gerüstbau mit 10,07 %, bei Maurerarbeiten mit 9,52 % und in der Zimmerei mit 8,46 %. Rücken, Gelenke und Verletzungen sind die typischen Gründe.
Für einen Betrieb mit 15 Beschäftigten heißt das: An jedem Arbeitstag fehlt rechnerisch einer. Am Montagmorgen ruft der Geselle an, der für die Badsanierung eingeplant war. Der Meister telefoniert mit dem Kunden, schiebt die Kolonne um und fährt selbst raus. Der Lohn des Kranken läuft weiter. Die Stunden auf der Baustelle fehlen trotzdem.
Anders als in der Pflege springt im Handwerk selten eine Leiharbeitskraft ein. Der größte versteckte Posten ist deshalb der Umsatz, der nicht entsteht. Der Rechner zeigt ihn getrennt von der Lohnfortzahlung, damit nichts doppelt zählt.
So rechnet der Rechner
| Baustein | Rechnung |
|---|---|
| Tageskosten | Monatsbrutto × 12 ÷ 220 Arbeitstage, plus 20 % Arbeitgeberanteil. |
| Krankheitstage | Fehltage (Kalendertage) ÷ 365 ergibt den Krankenstand. Dieser Anteil wird auf 220 Arbeitstage angewendet. |
| Lohnfortzahlung | Nur Tage in den ersten sechs Wochen je Erkrankung (§ 3 EFZG). Bei bis zu 30 Beschäftigten wird die gewählte U1-Erstattung abgezogen. |
| Überstunden | Ausfalltage gewerblicher Beschäftigter × Anteil Überstunden × Tageskosten × (1 + Zuschlag). |
| Verlorener Umsatz | Ausfalltage gewerblicher Beschäftigter × Anteil Verlust × (abrechenbare Stunden × Stundensatz − Tageskosten). Der Lohn steckt schon in der Lohnfortzahlung und wird hier abgezogen. |
| Umplanung | Beschäftigte × Krankmeldungen je Kopf × Stunden je Meldung × Stundenkosten Meister. |
| Neubesetzung | Abgänge im Jahr × Kosten für Suche und Einarbeitung. Dazu für gewerbliche Abgänge der entgangene Deckungsbeitrag in der Zeit bis zur Neubesetzung. |
Häufige Fragen
Warum wird beim verlorenen Umsatz der Lohn abgezogen?
Der Lohn des kranken Mitarbeiters ist bereits als Lohnfortzahlung erfasst. Verloren geht zusätzlich nur das, was über seine Personalkosten hinaus erwirtschaftet worden wäre: der Deckungsbeitrag für Gemeinkosten und Gewinn. Ohne diesen Abzug würde der Lohn doppelt gezählt.
Was ist die U1-Erstattung?
Betriebe mit bis zu 30 Beschäftigten nehmen am Umlageverfahren U1 teil. Sie zahlen eine Umlage und bekommen dafür einen Teil der Lohnfortzahlung erstattet, je nach gewähltem Satz meist zwischen 40 und 80 %. Die meisten Handwerksbetriebe liegen in diesem Bereich.
Wie wirkt ein Gesundheitsbudget auf den Krankenstand?
Ein Gesundheitsbudget erstattet Beschäftigten private Gesundheitskosten, etwa für Physiotherapie, Zahnersatz, Brillen oder Vorsorge. Wie stark das den Krankenstand senkt, ist bisher nicht durch Studien belegt. Deshalb zeigt der Rechner zuerst, wie viele Krankheitstage je Kopf vermieden werden müssen, damit sich das Budget trägt.
Sind die Ergebnisse verbindlich?
Nein. Der Rechner gibt eine Orientierung auf Basis Ihrer Eingaben und öffentlicher Durchschnittswerte. Für eine belastbare Rechnung brauchen Sie die Zahlen aus Lohnbuchhaltung und Nachkalkulation.
Passende Werkzeuge
Beim Kauf über diese Links erhalten wir eine Provision. Für Sie ändert sich der Preis nicht.
Quellen
- AOK Rheinland/Hamburg: Krankenstand im Handwerk sinkt erstmals seit Jahren, Pressemitteilung vom 01.10.2026 (Daten 2025). aok.de
- Deutsches Handwerksblatt: Hohe Kosten durch lange Vakanzen, 01.09.2026, mit Daten der Bundesagentur für Arbeit. handwerksblatt.de
- Deutsche Handwerks Zeitung: Was kostet ein Handwerker? Stundensätze im Handwerk. deutsche-handwerks-zeitung.de
- WIdO: Fehlzeiten-Bilanz 2025, März 2026. presseportal.de
- § 3 Entgeltfortzahlungsgesetz (EFZG) und Aufwendungsausgleichsgesetz (AAG) zum U1-Verfahren.
Dieser Rechner dient der Orientierung und ersetzt keine Steuer-, Rechts- oder Versicherungsberatung. Die Krankenstandswerte stammen aus einer regionalen AOK-Auswertung und können in Ihrem Bundesland abweichen. Alle Wirkungswerte zum Gesundheitsbudget sind Annahmen. Stand: Oktober 2026.